![]()
Audio Video Photo Markt (Fachzeitschrift für den Handel) 18. 8. 1997
Wird DVD ein Erfolg ?
Digital-Papst" Albrecht Gasteiner hat, wie immer, eine dezidierte Meinung, und
die sagt er den Schweizer Fachhändlern mit der ihm eigenen Direktheit.
Machen wir einander nichts vor: Die Sache ist ganz schön verworren. Das fängt schon mit
dem Namen an. Heisst das neue Ding nun Digital Video Disc" oder Digital
Versatile Disc" oder demnächst vielleicht noch ganz anders? Dann das Durcheinander
mit dem Ton: Stereo oder Surround, Dolby-Digital oder MPEG-2? Was für Decoder muss man
kaufen? Schliesslich die Geschichte mit den Ländercodes: Welche DVD läuft auf welchem
Gerät? Und überhaupt: Wo bleibt die Software?
Unsicherheiten gibt es also genug, und da liegt es nahe, sich zunächst einmal bequem
zurückzulehnen und abwartend zuzusehen, wie die Dinge sich entwickeln. Wenn der Zug dann
einmal rollt, kann man immer noch aufspringen.
Entschuldigung, aber das finde ich falsch. Gefährlich falsch.
Denn mit genau dieser Bremsermentalität hat die Branche schon mehrere Systemeinführungen
verschlafen und sich eine Menge an Umsatz entgehen lassen, zuletzt im Fall von MiniDisc.
Doch zum Schlafen ist jetzt nicht die richtige Zeit, denn die Heimelektronik braucht
dringend neue Attraktionen, neue Kaufimpulse, neuen Aufschwung, neuen Umsatz.
Die DVD kann Ihnen das bringen, aber nur, wenn Sie diese Chance offensiv ergreifen.
Neuen Umsatz, den gibt es zunächst einmal natürlich durch den Verkauf von DVD-Playern.
Die sehen aus wie konventionelle CD-Spieler und könnten eigentlich ganz einfach als
CD-Spieler mit Zusatznutzen angeboten werden, denn sie spielen ja auch Musik-CDs ab.
Freilich kosten sie etwas mehr als gewöhnliche CD-Player, aber was sie können, ist nicht
etwas mehr, sondern gewaltig mehr:
Auf einer einzigen DVD kann man Spielfilme von mehr als 8 Stunden Dauer speichern, in
digitaler Form und in einer Bildqualität, wie man sie zu Hause noch nie gesehen hat, mit
bis zu 32 verschiedenen Untertiteln und mit bis zu 8 verschiedenen Soundtracks zur Wahl.
Man wird also in Zukunft in der Videothek keine bespielten (und technisch meist sehr
schlechten) VHS-Bänder mehr kaufen, sondern DVDs, die kleiner sind, die sich nicht
abnützen und die all das an Bedienungskomfort bieten, was man auf dem Musiksektor schon
von der CD her gewöhnt ist. Also rasches Springen auf bestimme Programmstellen, keine
lange Vor- und Rücklaufzeit und dergleichen. Saubere Zeitlupe und perfektes Standbild von
beliebiger Dauer sind selbstverständlich.
Das sind die Qualitätsargumente. Eigentlich sollten die locker ausreichen, um einen
Kunden von DVD zu überzeugen, aber die Erfahrung lehrt uns, dass Bild- und Tonqualität
in der Videobranche bisher keine entscheidenden Kaufkriterien gewesen sind. Immerhin hat
sich mit VHS nicht das damals beste Videokassettensystem durchgesetzt, die qualitativ
überlegene Laserdisc war in Europa kein Erfolg und über die Qualität vieler
erfolgreicher Kauf- und Mietkassetten könnte man sich adäquat nur unter Zuhilfenahme
drastischer Verbalinjurien äussern - also lassen wir das.
Die Lehre, die wir aus alledem ziehen sollten, ist dieselbe, die auch im Fall der Compact
Disc den Ausschlag gegeben hat: Das neue System setzt sich nicht in erster Linie wegen
seiner überlegenen Qualität durch, sondern, weil es praktischer ist als das bisherige,
weil es den KonsumentInnen neuen Nutzen, neuen Spass vermittelt.
Also sollten Sie die völlig neuartigen Möglichkeiten der DVD ins Zentrum des
Verkaufsgespräches stellen.
> Sobald man die Video-DVD in das Abspielgerät steckt, wird ein
Inhaltsverzeichnis mit vielen kleinen Standbildern angezeigt. Das sieht auf dem
Fernsehschirm so ähnlich aus wie ein Bogen Briefmarken. Wenn man nun mit der
Fernbedienung eines dieser Bilder anwählt, beginnt der Film exakt an dieser Stelle zu
laufen. Im selben Menü sucht man sich auch aus, in welcher Sprachversion man den Film
erleben möchte, mit was für Untertiteln und ob in 4:3 oder 16:9 Format (beides
gibts mit voller Vertikalauflösung!).
> Die Kapazität der DVD ist so gross, dass verschiedene Versionen
eines Filmes darauf gespeichert werden können. Man wird also - je nach momentaner Laune -
zum Beispiel bei einem Liebesfilm wählen können, ob man ein Happy-End oder ein
tragisches Ende erleben möchte. Auch Hintergrundinformationen, etwa Starportraits oder
das beliebte The making of...." haben bequem Platz.
> Sogar mehrere parallel laufende Programme sind möglich. Ein erstes
Beispiel dafür zeigt die DVD mit den besten Szenen aus der deutschen Bundesligasaison
1996/97, die PRO7 gerade - zusammen mit Panasonic - herausgebracht hat: Dort kann man
zwischen vier verschiedenen Kameraperspektiven wählen und beliebig hin- und herschalten.
Damit wird jeder sein eigener Fernsehregisseur.
> Es gibt eine in verschiedenen Härtegraden" einstellbare
Zugriffskontrolle, die es Kindern verunmöglicht, bestimmte Passagen eines Films oder eine
bestimmte DVD anzusehen. Das ist hauptsächlich für die naturkundlichen"
Programme gedacht, Sie wissen schon....
> Es wird eines Tages 3-D Videoprogramme geben, die ein völlig
neuartiges, aufregendes Bilderlebnis mit sich bringen. das den Weg in die Zukunft der
Fernsehens weist.
Das sind Argumente, die unmittelbar überzeugen und die Ihnen das Verkaufen von
DVD-Spielern leicht machen. Nur weiss jeder, dass damit allein noch kein gigantischer
Umsatz zu machen ist. Doch Achtung, der DVD-Player ist nur der Anfang, sozusagen der
Türöffner in eine neue Multimedia-Welt. Und wer erst einmal durch diese Tür geschritten
ist und sich dieser neuen Welt ein bisschen umgesehen hat, der kommt ganz schnell auf den
Geschmack. Dabei spreche ich hier noch gar nicht davon, dass die DVD auch computertauglich
ist, dass sie das Äquivalent von mehr als 10.000 Floppy-Disks speichern kann, dass man
demnächst auf ihr auch wird aufnehmen können und dass all das einen üppigen
Blumenstrauss neuer Umsatzchancen mit sich bringt. Nein, heute bleiben wir einmal bei den
unmittelbaren Umsatzchancen für die klassische Unterhaltungselektronik.
Die einzige SCART-Buchse am heimischen Fernseher ist schon vom Videorecorder belegt und ausserdem kommen auf seiner Bildröhre die Feinheiten der hochauflösenden Bilder nicht ganz so gut heraus wie bei der Vorführung im Laden? Also muss ein neuer Fernseher her, und zwar kein primitiver, sondern ein hochwertiger im Breitbildformat.
Der Ton der Fernsehlautsprecher ist mickrig und auch über die Stereoanlage kommt kein richtiges Heimkino-Feeling auf? Also müssen auf alle Fälle bessere HiFi-Lautsprecher angeschafft werden, wahrscheinlich aber auch gleich noch ein neuer Mehrkanal-Verstärker, eventuell ein Decoder für AC-3 und MPEG-Ton, Surround-Lautsprecher für die Rückkanäle sowieso, und zu Weihnachten wahrscheinlich der Subwoofer für den ultimativen Kick.
Und man unterschätze die Begeisterungsfähigkeit der Filmfreunde nicht: Manch einem wird es dermassen den Ärmel hereinnehmen", dass er sich sogar einen Videoprojektor gönnen und damit sein Wohnzimmer tatsächlich zum Kino machen wird.
Sie merken: DVD kann aus Kunden Stammkunden machen. Was das für Auswirkungen auf den Klirrfaktor in Ihrer Ladenkasse haben kann, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern. Nur: Damit sich dieser Verkaufserfolg auch tatsächlich einstellt, müssen Sie schon auch ein bisschen etwas tun.
Nämlich drauskommen und vorführen.
DVD ist ein äusserst vielfältiges System, das logischerweise auch vielfältige Fragen aufwirft. Damit Sie diese kompetent beantworten und sich bei den KundInnen als vertrauenswürdige Fachperson profilieren können, müssen Sie sich auskennen und über Pan-and-Scan, Ländercodes, Dolby-Digital etc. echt Bescheid wissen. Am besten kommen Sie zu diesen Informationen im Internet.
Das allerwichtigste, absolut entscheidende ist aber, beim Kunden Begeisterung auszulösen und seine Emotionen zu wecken. Und das geht nur mit einer Vorführung. Damit meine ich aber beileibe nicht, dass Sie im Laden einen DVD-Player an einen Fernseher anschliessen und aufdrehen sollten. Wie ein besonderer Wein erst in einem besonderen Glas richtig zur Geltung kommt, so verdient auch DVD eine besondere Präsentation. Erst in einem separaten Raum (der durchaus auch Ihr eigenes Wohnzimmer sein darf), mit einem hervorragenden Fernseher oder Videoprojektor und vor allem im Zusammenspiel mit einer hochwertigen 5+1 Kanal Tonanlage entwickelt das neue System seine unausweichliche Faszination, erst dort machen eventuelle Gedanken an alternative Versuchungen wie Surfbrett, Pelzmantel, Ferienflüge, Schmuck und so weiter der festen Überzeugung Platz: Zuerst muss ein DVD-Heimkino her.
Natürlich gibt es auch Einwände, die gibt es immer. So ist die Sache mit den Ländercodes ausgesprochen lästig (wenngleich sie dem Handel den angenehmen Nebeneffekt bringt, dass es keine Billigimporte aus Amerika mehr geben wird) und das Nebeneinander von 2 digitalen Mehrkanal-Tonsystemen macht die Sache auch nicht übersichtlicher. Nur sollte man sich davon nicht allzusehr nervös machen lassen, denn jedes neue System hat irgendwelche Anfangsschwierigkeiten zu überwinden, die sind aber nach wenigen Jahren überwunden und vergessen. Unangenehm ist sicher auch, dass es heute bei uns noch kaum DVDs zu kaufen gibt. Doch erinnern Sie sich: Als die Compact Disc eingeführt wurde, wollten etliche Plattenfirmen nicht mitmachen weil sie unerlaubtes Kopieren befürchteten und hat alle Welt hat geunkt, die CD würde kein Erfolg werden, da es ja kaum Software gab. Heute ist DVD in einer ganz ähnlichen Situation: Ein paar Filmstudios zieren sich noch, weil in Amerika das Geschäft mit Kaufkassetten noch gut läuft und sie meinen, trotz der 3 verschiedenen (!) Kopierschutzeinrichtungen, mit der die DVD versehen ist, sei die Sicherheit gegenüber Raubkopierern vielleicht doch noch nicht gut genug. Keine Sorge, dieses Thema wird sich erledigen, wie es sich auf dem Musiksektor bei der CD erledigt hat: In dem Moment, da die Softwarebosse wittern, dass es bei einem neuen System Geld zu verdienen gibt, sind sie blitzartig auf dem Markt. Alle. Die Filmleute haben sogar schon einmal vorgemacht, wie sie zunächst ein neues System blockieren und später massiv daran verdienen: Zuerst haben sie mit massivstem Lobbying versucht, das Herstellen und Verkaufen von Videorecordern generell verbieten zu lassen (!), und heute verdienen dieselben Leute mit bespielten Videocassetten -zig Millionen.
Die DVD ist die CD für das nächste Jahrhundert. Sie bringt den KonsumentInnen neuartige Vorteile und dem Handel jede Menge Chancen auf neue Umsätze. Sie bietet zukunftsweisende Technik, enormen Fortschritt in Qaualität und Möglichkeiten, sie vermittelt neuartige Erlebnisse und bietet damit Ihnen als Händler jede Menge Chacnen auf neue Umsätze. Chancen, die ungenutzt vorbeigehen zu lassen Sie sich in diesen Zeiten einfach nicht leisten können. Und so lautet denn die Antwort auf die Frage, ob DVD ein Erfolg wird: Natürlich wid sie ein Erfolg - wenn Sie ihn machen. Denn Erfolg kommt nicht von selbst und ganz bestimmt nicht vom Warten darauf, dass die Leute von sich aus den Laden stürmen. Den Aufschwung müssen Sie schon selber machen. Mit kompetenter Auskunft, mit begeisternder Vorführung, mit umfassender Beratung - mit DVD..